Chimichurri selber machen: Die argentinische Sauce, die jedes Grillfleisch verwandelt
Ich habe Chimichurri zum ersten Mal auf einer Reise durch Argentinien probiert, an einem kleinen Straßenstand irgendwo zwischen Buenos Aires und den Weinbergen von Mendoza. Ein einfaches Stück gegrilltes Rindfleisch, dazu ein kleines Schälchen mit dieser leuchtend grünen, kräuterintensiven Sauce – und plötzlich war das Fleisch nicht mehr nur Fleisch, sondern ein komplettes Geschmackserlebnis. Seitdem gehört Chimichurri für mich zu den Saucen, die ich immer griffbereit habe, wenn der Grill angeworfen wird.
Das Schöne an Chimichurri ist, dass sie im Grunde das Gegenteil von aufwendig ist. Es wird nichts gekocht, nichts reduziert, nichts gebunden – du hackst, mischst, lässt ziehen, fertig. Und trotzdem steckt in dieser scheinbar simplen Sauce so viel Charakter, dass sie jedes gegrillte Gericht sofort auf ein neues Level hebt. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du sie ganz klassisch zubereitest, welche Fehler du vermeiden solltest und wie du sie zu deiner eigenen Version machst.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Chimichurri ist eine ungekochte, marinadenähnliche Kräutersauce aus Argentinien und Uruguay
- Frische Petersilie, Knoblauch, Essig und gutes Olivenöl bilden das unverzichtbare Grundgerüst
- Die Sauce sollte mindestens 30 Minuten, besser einige Stunden ziehen, damit sich die Aromen verbinden
- Es gibt eine milde grüne und eine schärfere rote Variante mit zusätzlichem Paprikapulver
- Chimichurri passt nicht nur zu Steak, sondern auch zu Gemüse, Fisch und sogar als Dressing
Zutaten für klassisches Chimichurri (für 4-6 Personen)
Ein großer Vorteil von Chimichurri: Die Zutatenliste ist kurz, alltäglich und trotzdem entscheidend für das Endergebnis. Achte besonders auf die Qualität der Petersilie und des Olivenöls, denn beide tragen den Hauptgeschmack der Sauce.

Chimichurri selber machen: Die argentinische Sauce, die jedes Grillfleisch verwandelt
Zutaten
- 1 großes Bund frische glatte Petersilie (ca. 40-50 g), fein gehackt
- 4-5 Knoblauchzehen, sehr fein gehackt oder gepresst
- 1 kleine rote Chilischote oder 1 TL Chiliflocken (nach Geschmack)
- 1 TL getrockneter Oregano
- 100 ml gutes Olivenöl
- 3-4 EL Rotweinessig
- 1 TL grobes Salz
- ½ TL frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
- ½ rote Zwiebel, sehr fein gewürfelt
- 1 EL edelsüßes Paprikapulver
Ein Hinweis aus eigener Erfahrung: Nimm dir wirklich die Zeit, alles fein von Hand zu hacken, statt es in den Mixer zu geben. Ein Mixer zerkleinert die Kräuter zu fein und presst dabei zu viel Flüssigkeit heraus, wodurch die Sauce eher wie ein grüner Brei statt wie eine texturreiche Kräutersauce wirkt. Chimichurri lebt von diesem leicht groben, stückigen Charakter.
Schritt für Schritt zum perfekten Chimichurri

Schritt 1: Petersilie vorbereiten
Wasche die Petersilie gründlich und tupfe sie danach sehr gut trocken – überschüssiges Wasser verwässert später die Sauce. Zupfe die Blätter von den dickeren Stielen ab, die feineren Stiele kannst du mitverwenden, da sie ebenfalls Aroma mitbringen. Hacke die Blätter anschließend fein mit einem scharfen Messer.
Schritt 2: Knoblauch und Chili vorbereiten
Hacke den Knoblauch so fein wie möglich oder presse ihn durch eine Knoblauchpresse. Die Chilischote entkernst du, falls du es milder magst, und hackst sie ebenfalls sehr fein. Wer es unkomplizierter mag, kann hier auch auf Chiliflocken zurückgreifen.
Schritt 3: Trockene Zutaten vermengen
Gib die gehackte Petersilie, den Knoblauch, die Chili, den Oregano, das Salz und den Pfeffer in eine Schüssel und vermenge alles gut miteinander. Falls du die rote Zwiebel verwendest, kommt sie jetzt ebenfalls dazu.
Schritt 4: Mit Essig und Öl aufgießen
Gieße zunächst den Rotweinessig über die Kräutermischung und lass ihn kurz einziehen – die Säure hilft, die Aromen der Kräuter und des Knoblauchs schon vorab zu lösen. Gieße anschließend das Olivenöl dazu und vermenge alles gründlich, bis eine gleichmäßige, leicht ölige Sauce entsteht.
Schritt 5: Ziehen lassen
Das ist der Schritt, den viele unterschätzen: Lass die Sauce mindestens 30 Minuten bei Zimmertemperatur ziehen, idealerweise aber 2 bis 4 Stunden oder sogar über Nacht im Kühlschrank. In dieser Zeit verbinden sich die Aromen von Knoblauch, Essig und Kräutern zu dieser typischen, runden Chimichurri-Note. Vor dem Servieren nimmst du die Sauce am besten wieder aus dem Kühlschrank, damit das Öl seine flüssige Konsistenz zurückbekommt.
Schritt 6: Abschmecken
Probiere die Sauce kurz vor dem Servieren noch einmal und schmecke sie bei Bedarf mit zusätzlichem Salz, Essig oder Öl ab. Chimichurri sollte kräftig, leicht säuerlich und aromatisch schmecken – trau dich hier, etwas mutiger zu würzen, als du es vielleicht bei anderen Saucen tun würdest.
Die rote Variante: Chimichurri Rojo
Neben der klassischen grünen Version gibt es in Argentinien auch eine rötliche Variante, die etwas kräftiger und rauchiger schmeckt. Dafür rührst du einfach einen Esslöffel edelsüßes Paprikapulver mit unter die Sauce und erhöhst optional die Chilimenge leicht. Diese Variante passt besonders gut zu kräftigerem, fettreicherem Grillfleisch wie Rippchen oder Chorizo, da sie durch die zusätzliche Würze auch intensivere Aromen gut ausbalanciert.
Woher kommt Chimichurri?
Die genaue Herkunft von Chimichurri ist bis heute nicht restlos geklärt, und genau das macht sie zu einem beliebten Thema unter Foodhistorikern in Südamerika. Die Sauce ist fest in der Gaucho-Kultur Argentiniens und Uruguays verwurzelt, wo sie traditionell zu Asado, dem südamerikanischen Grillfest, gereicht wird. Manche Geschichten führen den Namen auf irische Einwanderer zurück, andere auf baskische oder italienische Einflüsse – eine wirklich gesicherte Erklärung gibt es nicht. Was aber sicher ist: Chimichurri hat sich über die Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil der argentinischen Küche entwickelt und wird dort mit ähnlicher Selbstverständlichkeit zum Fleisch gereicht wie bei uns Senf oder Ketchup. Auf keinem Asado-Tisch fehlt eine Schüssel davon, meist direkt neben dem groben Salz, mit dem das Fleisch gewürzt wird.
Die häufigsten Fehler – und wie du sie vermeidest
Auch wenn Chimichurri denkbar einfach in der Zubereitung ist, gibt es ein paar typische Stolpersteine, die den Unterschied zwischen einer guten und einer herausragenden Sauce ausmachen.
Die Kräuter im Mixer pürieren. Wie bereits erwähnt, entsteht dabei eine zu feine, fast breiige Konsistenz. Von Hand gehackt bleibt die charakteristische, leicht stückige Textur erhalten, die Chimichurri von einem klassischen Pesto unterscheidet.
Zu wenig Ziehzeit einplanen. Wer Chimichurri sofort nach dem Mischen serviert, verpasst den entscheidenden Moment, in dem sich die Aromen wirklich verbinden. Plane die Ziehzeit fest mit ein, am besten schon beim Einkaufen und Vorbereiten.
Minderwertiges Olivenöl verwenden. Da das Öl ungekocht bleibt, schmeckt man jede Qualitätsstufe unmittelbar heraus. Ein günstiges, geschmacksneutrales Öl macht die Sauce spürbar langweiliger.
Zu viel Essig auf einmal. Rotweinessig kann je nach Säuregehalt sehr unterschiedlich intensiv sein. Es lohnt sich, ihn schrittweise einzurühren und zwischendurch zu probieren, statt die komplette Menge auf einmal hinzuzufügen.
Die Sauce zu kalt servieren. Direkt aus dem Kühlschrank ist das Olivenöl fest und die Aromen wirken gedämpft. Lass Chimichurri vor dem Servieren etwa 15 bis 20 Minuten bei Zimmertemperatur stehen, damit sie ihr volles Aroma entfalten kann.
Aufbewahrung und Haltbarkeit
Chimichurri lässt sich hervorragend vorbereiten und wird durch das Ziehen im Kühlschrank sogar noch besser. In einem gut verschlossenen Glas hält sie sich dort problemlos 5 bis 7 Tage, wobei der Geschmack mit der Zeit intensiver und runder wird. Achte darauf, dass die Kräuter stets vollständig mit Öl bedeckt sind, das schützt sie vor Oxidation und verlängert die Haltbarkeit zusätzlich. Zum Einfrieren eignet sich Chimichurri ebenfalls gut, etwa portionsweise in einem Eiswürfelbehälter – so hast du jederzeit eine kleine Portion griffbereit, ohne die ganze Sauce neu zubereiten zu müssen.
Chimichurri als Marinade
Neben der klassischen Verwendung als Dip oder Sauce zum fertigen Fleisch eignet sich Chimichurri hervorragend auch als Marinade. Reibe das Fleisch schon einige Stunden vor dem Grillen großzügig damit ein, am besten über Nacht im Kühlschrank. Die Säure des Essigs macht dabei leicht die äußeren Fleischfasern zart, während Öl und Kräuter tief einziehen und dem Fleisch schon vor dem eigentlichen Grillen jede Menge Aroma mitgeben. Wichtig dabei: Bereite für die Marinade eine separate Portion Chimichurri zu und verwende die frische, unbenutzte Sauce zum Servieren, um Kreuzkontamination mit rohem Fleisch zu vermeiden.
Tipps, die den Unterschied machen
Petersilie von Hand hacken, nicht mixen. Wie bereits erwähnt, sorgt das für die richtige Textur. Ein bisschen Übung mit dem Messer lohnt sich hier definitiv.
Gutes Olivenöl verwenden. Da das Öl nicht erhitzt wird, schmeckt man seine Qualität direkt heraus. Ein mildes, aber aromatisches Olivenöl ist hier die bessere Wahl als ein sehr günstiges Raffinat.
Der Sauce Zeit geben. Frisch gemixt schmeckt Chimichurri oft noch etwas scharf und unrund. Erst nach ein paar Stunden Ziehzeit entfaltet sich das volle, harmonische Aroma.
Essigmenge anpassen. Rotweinessig kann je nach Marke unterschiedlich intensiv sein. Fange lieber mit etwas weniger an und schmecke dich langsam nach oben, statt die Sauce am Ende zu sauer werden zu lassen.
Nicht im Kühlschrank komplett kalt servieren. Kaltes Olivenöl wird fest und trüb, was die Textur der Sauce verschlechtert. Nimm Chimichurri rechtzeitig vor dem Servieren aus dem Kühlschrank.
Wozu passt Chimichurri am besten?
Der Klassiker ist natürlich gegrilltes Rindfleisch, insbesondere ein saftiges Steak vom Grill, aber Chimichurri ist deutlich vielseitiger, als viele denken. Zu gegrilltem Hähnchen oder Fisch bringt sie eine frische, kräuterbetonte Note, die das Gericht leicht und sommerlich wirken lässt. Auch zu gegrilltem oder geröstetem Gemüse wie Zucchini, Auberginen oder Süßkartoffeln funktioniert sie hervorragend. Wer mag, kann Chimichurri sogar als Dressing für einen kräftigen Salat verwenden oder als Marinade nutzen, bevor das Fleisch überhaupt auf den Grill kommt – so zieht der Geschmack schon vorab tief ins Fleisch ein.
Fazit: Eine einfache Sauce mit riesigem Geschmackspotenzial
Chimichurri beweist, dass eine großartige Sauce nicht kompliziert sein muss. Mit frischen Kräutern, gutem Olivenöl, einem ordentlichen Schuss Essig und ein wenig Geduld beim Ziehenlassen entsteht eine Sauce, die praktisch jedes gegrillte Gericht sofort aufwertet. Sie ist schnell gemacht, unkompliziert in der Zubereitung und trotzdem voller Charakter – genau die Art von Rezept, die sich lohnt, immer wieder zu machen.
Probier sie beim nächsten Grillabend aus, am besten direkt in größerer Menge, denn erfahrungsgemäß ist die Schüssel schneller leer, als man denkt. Und wenn du deine eigene Balance zwischen Schärfe, Säure und Kräutern gefunden hast, wird Chimichurri schnell zu einem festen Bestandteil deines Grillrepertoires.
Häufig gestellte Fragen zu Chimichurri
Was enthält Chimichurri?
Chimichurri besteht klassischerweise aus fein gehackter Petersilie, Knoblauch, Chili, Oregano, Olivenöl, Rotweinessig sowie Salz und Pfeffer. Je nach Region und persönlicher Vorliebe kommen manchmal noch rote Zwiebeln oder etwas Paprikapulver für eine rötliche Variante dazu.
Wie wird Chimichurri gemacht?
Alle Zutaten werden fein gehackt und anschließend mit Essig und Olivenöl vermengt. Anders als viele Marinaden wird Chimichurri nicht gekocht, sondern lediglich gemischt und danach mehrere Stunden ziehen gelassen, damit sich die Aromen von Kräutern, Knoblauch und Essig gut verbinden können.
Wie schmeckt Chimichurri?
Chimichurri schmeckt kräuterintensiv, leicht säuerlich durch den Essig und angenehm würzig durch Knoblauch und Chili, abgerundet von der milden Fruchtigkeit des Olivenöls. Insgesamt ist der Geschmack frisch, kräftig und leicht scharf, aber nicht übermäßig feurig.
Ist Chimichurri gesund?
Chimichurri besteht überwiegend aus frischen Kräutern, Knoblauch und Olivenöl, die alle als gesundheitsfördernd gelten, unter anderem wegen der enthaltenen Antioxidantien und ungesättigten Fettsäuren. Da die Sauce aber recht ölhaltig ist, sollte man sie wie jede ölbasierte Sauce in Maßen genießen.







